Nachdem ich meine Mittelformatkamera reaktiviert hatte, kam meine Kleinbildkamera an die Reihe, eine Leica R6 mit einem Summilux 50 mm f/1.4. Das ist eine rein mechanische Spiegelreflexkamera, d.h. der Verschluss läuft mit dem typischen Geräusch eines Uhrwerks und alles muss von Hand eingestellt werden. Lediglich ein eingebauter Belichtungsmesser bietet etwas Komfort.
In unsere Ferien in Arosa im Herbst 2023 hatte ich sie dabei und ich habe einige Bilder parallel auch mit dem iPhone SE3 aufgenommen. Deren Weitwinkeloptik soll einem Brennweitenäquivalent von 28 mm entsprechen Um also einen vergleichbaren Eindruck zu erhalten, musste ich die Bilder beschneiden. Von den 12 MP blieben dann noch ein Viertel übrig (etwa 3 MP), was nicht mehr berauschend ist. Es bleibt ein schwieriger Vergleich. Doch nun mal ein Beispiel:

Leica R6, Ilford FP4 bei ISO 125, in ID-11 1+3 entwickelt bei 21°C

Ausschnitt angepasst (das iPhone hat ein Weitwinkel) und in Lightroom leicht bearbeitet.
Das gleiche Bild, andere Wirkung. Der Film ist natürlich viel körniger, was einen nostalgischen Effekt erzeugt, also gewünscht ist. Das Foto aus dem iPhone wirkt polierter, es entspricht mehr dem was wir heute gewohnt sind. Der Himmel ist viel plastischer, bei den Bergstrukturen ist es aber vergleichbar. Das könnte gut an einer unterscheidlichen Blauempfindlichkeit liegen, was beim digitalen Bild in der Nachbearbeitung mit etwas Aufwand angeglichen werden könnte. Ein Fehler wäre es, durch das Rauschen zu einfach auf die Auflösung zurückzuschliessen. Hier eine Gegenüberstellung eines Ausschnittes:

Die sichtbaren Details in den Strukturen sind ähnlich, einfach die Körnigkeit fehlt beim iPhone. Ob das dem Sensor oder irgendwelchen Algorithmen von Apple geschuldet ist, weiss ich nicht, denn Sensoren rauschen durchaus (und manchmal recht stark), aber mit ausgeklügelten Algorithmen kann man das gut dämpfen. Dass die feinen, kontrastreichen Strukturen (z.B. die Gebäude) beim Negativfilm detailreicher wirken als es das Rauschen erwarten lässt, ist keine Überraschung, das hat damit zu tun wie klassischer Film funktioniert: Kanten werden überbetont, Rauschen sieht man vorallem in den flächigen Bereichen. Dort geht dann auch mal eine Kante im Rauschen unter, siehe die Berge im Hintergrund.
Dieser Vergleich erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch, doch kann ich festhalten:
- Mittelklassiges Smartphone schlägt eine analoge Leica R.
- Die Optik hat nicht dieselbe Brennweite, der Ausschnitt musste angepasst werden.
- Hätte mein iPhone eine vergleichbare Optik (äquivalent zu 50 mm), dann hätte ich deutlich mehr Auflösung.
- Verbesserungspotential: Statt mit ID-11 hätte ich den Ilford FP4 in einem Feinkornentwickler verarbeiten können. Da wäre noch was rauszuholen.
Die Kleinbildkamera hat ihren Charme, die Bilder atmen Nostalgie. Was einmal als besonders scharf gegolten hat – Leica hatte diesen Ruf –, wird heute von Mobiltelefonkameras geschlagen. In einem Vergleich mit einer Digitalkamera (DSLR oder MILC) würde der Kleinbildfilm noch mehr zurückfallen. Andererseits ist der Prozess der Bildentstehung beim Kleinbild ein wesentlich bewussterer als mit dem Smartphone.
Zur Auflösung von Kleinbildfilmen siehe auch meinen Beitrag1